60 Jahre REFA - Landesverband Berlin und Brandenburg e.V.

Besondere Grußworte fanden bei der Jubiläumsfeierlichkeit am 13. Oktober 2009 im Goldberger Saal des VBKI im Ludwig-Erhard-Haus in Berlin große Aufmerksamkeit. Andreas Brandt, Vorstandsvorsitzender des REFA-Landesverbandes Berlin und Brandenburg e.V., richtete bei seiner Rede zur Festveranstaltung 60 Jahre REFA–Landesverbandes Berlin und Brandenburg e.V., den Blick auf einen sicherlich schwer zu erfassenden Zeitraum hinsichtlich dauerhafter Beständigkeit, die Neuausrichtung am Markt und nicht zu vergessen, das dies insbesondere als gemeinnütziger Verein mit knapp 300 Mitgliedern zu bewerkstelligen war. 60 Jahre sind kein Alter, wohl aber ein klares Zeichen für viel Erfahrung und Erfolg. Aus der REFA-Sicht betrachtet bedeutet das knapp 22.000 Tage, also über 525.000 Stunden. Wenn man bedenkt, was eine einzige Stunde bringen kann, so können wir uns der Dimension dieses Zeitraumes bewusst werden. Andreas Brandt versicherte zum Schluss seiner Rede ausdrücklich, dass der REFA-Landesverband Berlin und Brandenburg e.V. in seinen Anstrengungen nicht nachlassen und auch künftig ein herausragendes Weiterbildungsangebot zur Verfügung stellen wird. Überleitend hat dann der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wirtschaft Dr. Jens-Peter Heuer, bei seiner Würdigung dem REFA- Landesverband jahrzehntelangen Erfolg bescheinigt, insbesondere bei der beruflichen, Fort- und Weiterbildung in wechselhaften ökonomischen und gesellschafts-politischen Zeiten. Frank Parlitz, Stellvertretender Leiter der Abteilung Tarifpolitik und -anwendung beim VME, hat mit einem hohen Maß an Anerkennung seine Erlebnisse des beruflichen Weiterbildens und Weiterkommens durch seine REFA-Ausbildung und REFA-Vorstandsarbeit eindrucksvoll geschildert. Die berufliche Zeitreise in seine REFA-Vergangenheit, REFA-Gegenwart und REFA-Zukunft hatten die ca. 120 Zuhörer mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Klaus Helmerichs, IG-Metall Bezirksleitung Berlin, Tarifpolitik Metall- und Elektroindustrie Berlin und Brandenburg würdigte mit Stolz die Zusammenarbeit der Sozialpartner, Gewerkschaft und Arbeitgeberverband mit REFA und wie hilfreich REFA mit seinen Methoden und Erkenntnissen mit ganzheitlichen Analysen, Bewertungen und Gestaltungen komplexer Systeme, Strukturen und Prozesse der Betriebsorganisation die Unternehmen unterstützt.

Nach diesem kurzen Rückblick in die 60jährige REFA-Landesverbands-geschichte Berlins, gab es zum Festmahl eine musikalische Begleitung des Streichquartetts der Berliner Stadtstreicher.

Anschließend verfolgten die Gäste aus den Unternehmen Berlin und Brandenburgs mit großer Spannung und voller Aufmerksamkeit den angekündigten Festvortrag von Prof. Dr. Peter Nieschmidt mit dem überschriebenen Titel „Arbeit und Führung im Wandel“. Der studierte Politikwissenschaftler der sich seit mehr als 50 Jahren mit Arbeit und Führung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen beschäftigt, zeigte engagiert und bildhaft in seinen Thesen die geistesgeschichtlichen Grundlagen des Arbeitsbegriffes. Anschaulich wurde das Arbeitsverhältnis in der griechisch-römischen Antike referiert, dann wurden das alttesta-mentliche Arbeitsverhältnis und die christliche Auffassung bis zum frühen Mittelalter näher betrachtet. Das calvinistisch-kapitalistische Arbeitsverständnis hatte nur die Produktivitäts- und Effizienzsteigerung der Arbeit im Blick. Mit dem Neuansatz des Arbeitsverständnisses im Deutschen Idealismus eröffneten sich tiefe und gültige Einsichten über das Wesen menschlicher Arbeit. Warum „arbeiten“ wir also? Die Antwort ist eindeutig, so Prof. Nieschmidt, weil wir damit unser Leben realisieren und leitete zum wichtigen Kapitel „Führungshandeln“ über. Nun wurde neben dem Arbeitsbegriff auch das Führungshandeln am Chart anschaulich erläutert. Fast missionarisch galt es zum Schluss die zentrale Aufgabe einer Führungskraft zu strapazieren. Prof. Nieschmidt hob die Stellung der Führungskraft hervor, sie soll dafür Sorge tragen, das die Entwicklung und Reifung des Mitarbeiters, seine Selbstverwirklichung, auch vor dem Hintergrund von Wirtschaftlichkeits- und Effizienzüberlegungen, positiv erfolgt; denn wenn die berufliche Arbeitswelt keinen Raum und keine Möglichkeit der Selbstentfaltung des Mitarbeiters bietet, wird er sich diese Möglichkeit woanders suchen und damit seine besten Potentiale außerhalb des Unternehmens realisieren. Das wichtigste Produktivvermögen eines Unternehmens wartet also in den Köpfen und Gemütern qualifizierbarer Mitarbeiter auf seine Entdeckung und Entwicklung.

 

Hat ein Unternehmen nicht die dafür geeigneten Führungskräfte ausgebildet und angeleitet, hört es bald auf, ein Unternehmen zu sein. Mit diesen Schlussworten wurde großer Beifall gespendet. Es wurde Bilanz im Bewusstsein einer Tradition und einer 60jährigen REFA-Berlin-Geschichte gezogen, verbunden mit dem Blick - nach vorne gerichtet - für die Herausforderungen des Heute und Morgen. Ein festlicher wunderbarer Abend neigte sich dem Ende, herzlichen Glückwunsch REFA-Berlin und Brandenburg e.V..

Erhard Lipinski
Mitglied des Vorstandes
REFA-Landesverband
Berlin und Brandenburg e.V.